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St. Galler Tagblatt, Stadt St. Gallen und Umgebung, Mittwoch, 18. Dezember 1991

Die Preisträger der Förderungs- und Anerkennungspreise 1991


Urs C. Eigenmann, Musiker

Urs C. Eigenmann wird in Würdigung seines umfassen­den Wirkens auf dem Gebiet der musikalischen Improvisa­tion, welches für ihn Spiel, Ar­beit, Nachdenken und nicht zu­letzt Zusammenführen ver­schiedenster Musikerpersön­lichkeiten bedeutet, mit einem Anerkennungspreis ausge­zeichnet.

Richard Butz

Er ist, wie er von sich selber sagt, «vor allem Autodidakt». Und einer der we­nigen Musiker, denen es gelungen ist, sich dennoch in der zunehmend ver­schulten Schweizer Jazzszene durch­zusetzen.

Ganz ohne schulisch verordneten Klavierunterricht ist aber auch der 1947 in Davos geborene und seit 1950 (mit zahlreichen Unterbrüchen) in St. Gallen lebende Urs C. Eigenmann nicht aufgewachsen. Dabei hat er einiges gelernt, aber wirklich beeinflusst hat es ihn nicht. Gleiches gilt für die Akademien und Jazzschulen, die er später besucht hat. Seine wirkliche Schule war das Leben im St. Galler «Africana», waren Aufenthalte in Zü­rich, Bern, Winterthur, Basel, Lugano und in Deutschland, und war das Zu­sammentreffen – als Gründer von «Jazz in Bern» – mit Keith Jarrett, Chick Corea, Ornette Coleman, Art Lande und vielen anderen bedeuten­den Musikern.

Urs C. Eigenmann ist bei aller Welt­gewandtheit ein musikalisches Rauh­bein geblieben, ein Naturmusiker so­zusagen, ausgestattet mit einem siche­ren Gespür fürs Echte und Erdige'. Er ist dem Blues verfallen, aber auch of­fen für Funk und Rock. «Deep In­side» heisst eine seiner Platten, und der Titel zeigt an, worum es ihm geht. Nicht um Schnickschnack modischer Art: Eigenmann will wesentliche und zupackende Musik machen, ohne da­bei auf' die feineren Töne zu verzich­ten. Mit den zwei Gruppen «off & out» — jetzt wieder aktiviert — und der «erst» sechs Jahre alten Funk-, Blues-und Soul-Gruppe Umamaca verfolgt er dieses Anliegen beharrlich und fin­det damit auch international Reso­nanz.

In St. Gallen hat Urs C. Eigenmann zusammen mit Otmar Pfister die Konzertreihe «Villa  Varnbüel» ausgeheckt und betreut und damit die loka­le Konzertszene drei Jahre lang fruchtbar bereichert. Mindestens ein Höhepunkt ist auch auf Platte ver­ewigt: Malcolm Green und Art Lande — «Live at the Villa Varnbüel» (Zytglogge).

Etwas weiter zurück liegen Eigen­manns Kontakte mit der frei improvi­sierten Musik und mit der zeitgenössi­schen E-Musik. Natürlich darf auch das von ihm mit gegründete Ländler­-Trio «Heubode» nicht unerwähnt bleiben, ebenso wenig wie seine musi­kalisch-literarischen Programme, oft in Zusammenarbeit mit dem Stadt­theater. Und schliesslich ist sich Ei­genmann auch nicht zu schade, als Lehrer (an der Musikschule Appen­zeller Mittelland) zu wirken.

Bei seiner Vielseitigkeit sind Pro­gnosen schwierig. Vielleicht stehen weitere Solo-Klavierabende bevor, mit denen er seit gut einem Jahr zu hö­ren ist. Vielleicht geht aber auch sein langgehegter Traum in Erffüllung, endlich eine grössere Theater- oder Filmmusik zu schreiben.       R. 13.